Bewegende Abschiedsfeier für Schwester Vestina


Vilshofener Anzeiger vom 4. Mai 2018
von Helmuth Rücker

Eine Klosterfrau mit großem Herzen

Abschiedsfeier für Sr. Vestina (78) – Sie war mehr als 30 Jahre Leiterin der Mädchenrealschule in Neustift


Klein in der Statur, bescheiden im Auftritt – aber gestern kam Sr. Vestina Kitzhofer nicht aus: Sie stand im Mittelpunkt, als die Columba-Neef-Realschule ihr einen
schwung- und zugleich liebevollen Abschied bereitete. Die 100 Gäste standen zum Schluss auf und applaudierten ihr minutenlang für ihre Lebensleistung. − Fotos: H. Rücker

Fotos: H. Rücker
Neustift.
Das schönste Geschenk zu ihrem Abschied als Schulleiterin hat sich Sr. Vestina Kitzhofer selber gemacht. Sie hat der Mädchenrealschule Neustift in über 30 Jahren als Direktorin so viel Herzenswärme gegeben, dass die 100 Gäste gestern spürten, welcher Geist an dieser Schule herrscht. Die Mädchen begrüßten fröhlich mit einem "Grüß Gott", hakten jeden Gast unter und führten ihn zum nächsten Schauplatz, sie sangen, sie turnten, sie tanzten und winkten. Herzlicher kann eine Feier kaum sein.
Hinzu kamen Reden von Vorgesetzten und Schülerinnen, Politikern und Eltern sowie Kollegen, bei denen deutlich wurde, wie hochgeschätzt Sr. Vestina ist. Niemals klang durch: Endlich geht sie. Vielmehr gab es am Schluss "weinende Herzen", von den Schülerinnen tänzerisch dargestellt. Sie wollte keine Geschenke, sondern Spenden für ein Projekt in Togo. Es gab auch viele symbolische Gaben: Ein Körbchen Vergissmeinnicht, einen Wellness-Gutschein für Bad Wörishofen oder Umarmungen, ja sogar Wangenküsschen vom Bürgermeister.
"Sr. Vestina ist keine Frau der großenWorte", sagte Sr. Helene Binder, Generalpriorin der Benediktinerinnen der Anbetung. Dafür sei Sr. Vestina eine aufmerksame Zuhörerin. Sie höre auch, was nicht gesagt werde. "Sie hat ein hörendes Herz", eine emotionale Intelligenz und ein Gedächtnis, das sie in die Lage versetze, ehemalige Schülerinnen auch nach 30 Jahren mit Namen anzusprechen. Der respektvolle Umgang miteinander stehe für sie an erster Stelle. Sr. Vestina sei nie heftig gewesen, nie grob oder hart im Urteil, sondern feinsinnig, ruhig und voller Demut. Getragen worden sei sie von einem unerschütterlichen Gottvertrauen. Auf Lob reagiere sie mit dem Satz: "Ich habe nichts Besonderes getan. Ich habe getan, was zu tun war. Das macht ihre Größe aus."
Sr. Vestina hatte die Schule, an der sie über 50 Jahre Lehrerin für Englisch und Geschichte war, selbst besucht. Sie wurde vor über 30 Jahren Schulleiterin, hatte 20 Jahre lang Beatrix Kröninger als Konrektorin. Sie ist ihre Nachfolgerin. Die Feier trug ihre Handschrift.
Bernhard Aschenbrenner, Vertreter des Ministeriums, nannte Neustift "eine Perle in der niederbayerischen Schullandschaft". Sr. Vestina habe die Schule erfolgreich gemacht. Dunja Müller, Vertreterin des Kath. Schulwerks in Bayern, wusste, dass Sr. Vestina mehr als 2000 Schülerinnen ins Leben entlassen hatte; ihnen den richtigen Weg in die Zukunft gezeigt, wie Bürgermeister Stefan Lang sagte.
Landrat Franz Meyer stellte fest, Sr. Vestina stehe wie keine andere für ein Leben mit, in und für die Schule. MdL Walter Taubeneder: "Gibt es den idealen Schulleiter? Sr. Vestina kommt dem ganz nahe." Neun Mütter des Elternbeirats überreichten kleine Geschenke, ein Großteil der 23 Lehrer (darunter noch vier Klosterschwestern) sagten in einem Lied "Danke für die viele Zeit, die Sie uns geschenkt haben." Die Fördervereinsvorsitzende meinte, sie würde jederzeit gerne wieder auf die Schule gehen.
Auch wenn ihr der Abschied schwerfalle, meinte Sr. Vestina am Schluss, so sei sie erfüllt von tiefer Dankbarkeit. Sie dankte Gott für alles Gute, das er ihr geschenkt habe.

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